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Hitze und Hippies

Aktualisiert: 22. Sept 2020

Auf eine Nacht in Ramallah folgten zwei in Jericho. Kurz zusammengefasst, und mehr will ich dazu auch gar nicht sagen, bestand der Aufenthalt in der tiefstgelegenen Stadt der Welt aus erdrückender Hitze, vielen Enttäuschungen und etlichen Gläsern Araq (Anisschnaps), um das Ganze zu ertragen.


Unser Hostel inmitten eines Flüchtlingslagers in Jericho.

Nach dem ironischerweise ernüchternden Aufenthalt steigen Edoardo und ich früh am Morgen schlecht gelaunt und schlecht vorbereitet in ein Taxi in Richtung Citycenter. Unser Ziel: Metzoke Dragot Beach. Aber erst ein kurzer Stopp. Im Obstladen gibt es für uns Ausländer, die sich zur heißesten Zeit des Jahres nach Jericho trauen, erstmal Kaffee und Fragen über unser Leben frei Haus.


Danach stapfen wir mit unseren Backpacker-Rucksäcken in die nächste Apotheke - Edoardo hat seit Wochen Magenprobleme, der Kaffee hat‘s nicht gerade besser gemacht. Dort bietet uns ein Mann seine Taxi-Dienste bis zur nächstgelegenen Tankstelle an. Näher in Richtung Ziel kann er uns nicht bringen, das palästinensische Gebiet endet dort.


Nachdem der Mann zwischendurch kurz Pannenhilfe geleistet hat und eine Lieferung Pita bei einem Restaurant abgeliefert hat, bringt er uns wie versprochen zur erwähnten Tankstelle. Dort steigen wir in ein anderes Taxi um. Etwa 20 Minuten später verkündet der Fahrer, dass wir am Ziel angekommen sind. Nach einem Blick aus dem Fenster, sind wir etwas verwirrt: Das Auto hat direkt an einem Checkpoint gehalten.


Okay?! Etwas verloren stehen wir zunächst mit unserem Gepäck neben israelischen Soldaten, die eine nur wenige Meter zu unserer Rechten entfernte Siedlung bewachen. Links auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Hippie-Strand Metzoke Dragot. Von dort aus reicht der Blick über das Tote Meer bis nach Jordanien. Dieser Ausblick hellt unsere Stimmung etwas auf. Wir wollten etwas Besonderen, wir bekommen etwas Besonderes. Wie besonders, ist uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst.


Ein Nudist am Metzoke Dragot Beach.

Denn die nächsten Tage verbringen wir zwischen freiheitsliebenden Israelis, die uns mit reichlich Essen, Alkohol und nackter Haut versorgen. Einige von ihnen kommen jedes Wochenende, andere leben hier mehrere Monate am Stück.


Es ist so heiß, dass man am Nachmittag kaum atmen kann. Selbst der Griff zur Wasserflasche kostet enorm Energie. Da wir kein Netz haben, erfahren wir erst, als wir schon wieder in Jerusalem sind, dass die Temperaturen am Toten Meer genau während unseres Aufenthaltes den historischen Rekordwert des Landes geknackt haben: das Thermometer zeigte fast 50 Grad.


Während wir am ersten Tag noch den Fehler machen, zu versuchen, im Schatten auf Matratzen vor unserem Zelt zu entspannen (einfach unmöglich, der eigene Körper wird zum Springbrunnen), verbringen wir am zweiten Tag die heißesten Stunden in einem Süßwasser-Pool am Ufer des Toten Meers. Unterbrochen nur von einem kurzen Ausflug zum nächstgelegenen Supermarkt. Per Anhalter, laufen ist selbstverständlich nicht möglich. Außerdem ist der Zeltplatz am zweiten Tag wie ausgestorben – tagsüber haben wir den Strand, das Meer und die Süßwasser-Pools ganz für uns alleine.


Diesen Tag, die Atmosphäre auf dem Campingplatz, die Gastfreundlichkeit der Menschen – all das werde ich wohl nicht mehr vergessen.


Ausblick von einem der Süßwasser-Pools aufs Tote Meer - auf der anderen Seite ist Jordanien zu sehen.


Ich bin Jana Freiberger, Journalistin, und schreibe auf diesem Blog über mein Leben.

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Über mich

Ich bin Jana (31). Geboren in Baden-Württemberg, im Herzen Saarländerin, wohnhaft in Hamburg. Ich liebe Design, Reisen, leckeres Essen und Schreiben. 

 

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