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Ein Wiedersehen in Kiew

Aktualisiert: 22. Sept 2020


Ein Hochhaus am Rande der ukrainischen Hauptstadt Kiew im Licht der Abenddämmerung.

Acht Jahre ist mein letzter Besuch in Kiew mittlerweile schon her, aber an eine Situation kann ich mich noch ganz genau erinnern. Es ist ein warmer Sommerabend. Meine Schwester tapst lachend einem Ball hinterher und mein Bruder schläft neben mir auf einer Picknickdecke mitten auf einer abgesperrten Hauptstraße. Die Ukraine ist in diesem Jahr gemeinsam mit Polen Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft und meine beiden jüngeren Geschwister und ich sind auf einer der Fanmeilen, um zusammen mit Tausenden Ukrainern eines der Spiele anzuschauen.


Auf seine linke Backe hat sich mein Bruder die Deutschlandflagge malen lassen, auf die rechte die von Portugal. Und als Ukrainer hat er es sich natürlich auch nicht nehmen lassen, sein gelb-blaues Trikot überzustreifen. Der schlafende Vierjährige, der offensichtlich am liebsten jedes Team unterstützen würde, ist an diesem Abend ein beliebtes Fotomotiv auf der Fanmeile. Die Stimmung ist euphorisch. Die Leute tanzen und machen Bekanntschaften mit Leuten aus aller Welt.

Mein damals vierjähriger Bruder schläft während der EM 2012 mitten auf einer der Fanmeilen in Kiew.

Seit diesem Abend im Sommer 2012 ist viel passiert. Nicht einmal zwei Jahre nach der Austragung der EM sterben bei Bürgerprotesten auf dem Platz der Unabhängigkeit in Kiew etwa hundert Menschen – meine Geschwister gehen wegen der Ausschreitungen im Zentrum zeitweise nicht zur Schule. Auslöser der Proteste ist die Weigerung des damaligen ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch, seine Unterschrift unter das Assoziierungsabkommen mit der EU zu setzen.


Was als friedliche Studentenbewegung beginnt, endet in blutigen Straßenkämpfen. Als diese Krise gerade beigelegt ist, beginnt die russische Annexion der Krim und im Osten der Ukraine bricht Krieg aus. Zu dieser Zeit sind mein Vater, seine Frau und die zwei Kleinen stets bereit zum Aufbruch. Die Koffer liegen fertig gepackt im Auto vor der Haustür. Manchmal sind die Bomben selbst in der Hauptstadt zu hören. Doch die Lage beruhigt sich. Sie bleiben.


Im April ist es nun wieder soweit – nach jahrelanger Abwesenheit fliege ich für eine Woche nach Kiew, wo ich während meiner Schulzeit mindestens einmal im Jahr zu Besuch war. Ich will sehen, wie sich die Stadt und die Stimmung verändert haben und die Welt kennenlernen, in der meine mittlerweile nicht mehr ganz so kleinen Geschwister aufwachsen. Ein Bericht folgt.


Wegen Corona wurde der Besuch verschoben - Anm., 26.03.20



Ich bin Jana Freiberger, Journalistin, und schreibe auf diesem Blog über mein Leben.

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Über mich

Ich bin Jana (31). Geboren in Baden-Württemberg, im Herzen Saarländerin, wohnhaft in Hamburg. Ich liebe Design, Reisen, leckeres Essen und Schreiben. 

 

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