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Nebelschwaden über Alfiano Natta

Aktualisiert: 22. Dez 2020


Blick früh am Morgen über die Täler um den Ort Alfiano Natta im Piemont.

Sorgfältig zupft die in rosa und weiß gekleidete Gabriella eine Olive vom Ast und legt sie dann in aller Ruhe in eine rote Plastikbox. Ihre große Chanel-Sonnenbrille und ihr beiger Sommerhut schützen die etwa 70-jährige Italienerin dabei vor den auch im Oktober noch starken Sonnenstrahlen. Während die Verpächterin sich durch nichts stressen lässt und bei der Ernte mehr Dekoration als eine wirkliche Hilfe ist, liegen meine Nerven in den ersten Tagen meines Workaway-Aufenthalts im Piemont blank.

Ich habe Muskelkater in den Beinen, aufgekratzte Arme von der Weinernte und durch die elektrischen Olivenernte-Maschinen ist die Luft so staubig, dass ich mich fühle, als würde ich täglich drei Schachteln Zigaretten rauchen. Außerdem ist „la casa rosa“, in dem wir während der zwei Wochen in Alfiano Natta gemeinsam mit dem Amerikaner Matthew umsonst wohnen können, noch nicht so ganz das, was man bereit für den Einzug nennt.

Die ersten Tage lang herrscht in dem alten Steinhaus ein eher nasskaltes Klima, denn ein funktionierendes Heizungssystem gibt es noch nicht. Unsere Handtücher bleiben nach dem Duschen einfach feucht und die Bettlaken sind klamm. Nach einer Woche wird der monströse Holzofen im Wohnzimmer dann aber repariert und in Gang gesetzt – und als wir drei nach der ersten Nacht mit Ofen morgens zum Ernten antreten, sind nicht nur wir, sondern auch unser Gastgeber Alberto sichtlich erleichtert, dass wir nicht an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung verendet sind. Dass die Klamotten nun nach Lagerfeuer riechen, nimmt man für ein wenig Wärme übrigens gerne in Kauf.

Auch die Kommunikation mit unseren Gastgebern ist zu Beginn ein wenig schwierig. Während wir davon ausgehen, dass wir nach einem halben Tag Arbeit machen können, was wir möchten, sind unsere Hosts beim Thema Arbeitszeiten eher flexibel. Heißt: bei Sonne stehen wir den ganzen Tag auf dem Feld und ernten was auch immer, bei Regen können wir machen, was wir wollen. Nicht gerade ein Top-Deal.

Nachdem einige grundsätzliche Dinge geklärt sind, wird es aber deutlich besser. Wir können zwei Tage lang (bei Sonnenschein) nach Turin und sehen, was es um Alfiano Natta herum außer Weinbergen noch so zu sehen gibt. Am Abend sorgen der Jagdhund Maira und die dreijährige Frida, die in etwa über das gleiche italienische Vokabular verfügt wie ich und deshalb mein perfekter Gesprächspartner am Abendtisch ist, für gute Stimmung.


Und dann ist da noch das Essen. Carla, die einen eigenen Cateringservice mit Backwaren hat, verköstigt uns mehrfach mit selbstgemachter Pizza und Süßspeisen, Alberto bereitet für uns das für den Piemont typische Gericht Bagna Cauda zu. Und spätestens als wie ein paar Flaschen selbsthergestellten Wein und selbstgepresstes Olivenöl in der Hand halten, sind alle Schwierigkeiten vergessen.


Auf Nebel folgt meist Sonnenschein. Also:


Grazie Carla, Alberto e Frida per tutti. A presto.

Frida und der amerikanische Workawayer Matthew bereiten das Abendessen vor.

Ich bin Jana Freiberger, Journalistin, und schreibe auf diesem Blog über mein Leben.


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Über mich

Ich bin Jana (31). Geboren in Baden-Württemberg, im Herzen Saarländerin, wohnhaft in Hamburg. Ich liebe Design, Reisen, leckeres Essen und Schreiben. 

 

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