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  • Jana

Wer Geld haben will, muss leiden

Aktualisiert: Sept 29


Mein aufgeräumter Schreibtisch kurz vor Weihnachten. Waffenstillstand im Krieg mit der Bürokratie.

Seit Anfang des Monats ist es offiziell. Ich bin selbständig. Freie Journalistin. Bei einer WhatsApp-Nachricht würde ich hier Konfetti, Sektflaschen und die tanzende Frau im roten Kleid einfügen, das ist leider nicht möglich. Wäre aber angemessen, denn dass es dazu kommen würde, ist in den vergangenen Wochen nicht immer ganz klar gewesen. Alle paar Tage wollte ich alles hinzuschmeißen. Der Grund: der Antrag auf Gründungszuschuss. Dazu ein GIF. Das ist nämlich möglich.


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Der Gründungszuschuss ist eine Förderung für Existenzgründer, die jeder beantragen kann, der sich für mindestens einen Tag arbeitslos gemeldet hat und noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. Sechs Monate lang erhält man einen Zuschuss in Höhe des einem zustehenden Arbeitslosengelds, also 60 Prozent des vorherigen Gehalts, plus 300 Euro für die Versicherungskosten, die man als Selbständiger selbst übernehmen muss.


Ist der Antrag einmal bewilligt, darf man beliebig viel Geld zusätzlich zu dem Zuschuss dazuverdienen. Der Gründungszuschuss muss nicht zurückgezahlt werden und nach der Bewilligung sind keine weiteren Bedingungen damit verbunden. Nach sechs Monaten kann man eine Verlängerung beantragen, neun Monate lang ist eine weitere Förderung in Höhe von monatlich 300 Euro möglich.


Doch die Sache hat einen Haken. Um den Arbeitsvermittler, der alleine über Geld oder kein Geld entscheidet, davon zu überzeugen, dass die Geschäftsidee Sinn macht, muss man einen Businessplan inklusive Finanzplanung erstellen, der anschließend von einer fachkundigen Stelle geprüft wird. Nicht optimal, dass ich mich weder mit Excel auch nur ansatzweise auskenne, noch mit Zahlen umgehen kann. Den Finanzteil übernimmt deshalb zum Großteil mein BWLer-Freund (Davide, mein Held!), während meine Tage sich hauptsächlich um Steuern, Versicherungen, Marktanalyse und meine Stärken und Schwächen als Gründerin drehen.


Nach etwa zweieinhalb Wochen, in denen ich von euphorisch bis depressiv alle Emotionen durchlebt habe, steht der Businessplan – einen Tag vor meinem 30. Geburtstag, den ich übrigens erfolgreich in Holland ausblenden konnte. Während der folgenden Weihnachtsfeiertage bin ich total entspannt und stopfe mich zur Belohnung mit italienischen Weihnachts-Spezialitäten voll. Doch ab Januar wird's aus mehreren Gründen noch einmal interessant. Erstens: Wir ziehen um. Zweitens: Deswegen ist ein anderes Arbeitsamt für mich zuständig. Drittens: Fuck.


Denn wie bereits erwähnt entscheidet der zuständige Vermittler, ob der Antrag bewilligt wird oder nicht. Die Frau, die nun kurz vor dem Ziel für mich zuständig ist, weiß nichts über mich, meine Qualifikationen und mein Geschäftsvorhaben. Ich verfalle in Panik. Mal wieder. Aber das deutsche Beamtentum überrascht mich. Ich muss nicht einmal persönlich vorbeikommen. Sobald mir alle Dokumente vorliegen, soll ich den Antrag einfach in einen Brief packen und abschicken. Keine weiteren Fragen. That's it.


Was dafür nur noch fehlt ist die Bescheinigung, dass mein Businessplan tragfähig ist. Einige Tage vor Ablauf der Frist stellt sich heraus, dass wichtige Formulare der Arbeitsagentur nie beim dafür zuständigen DJV Hamburg angekommen sind – Panikattacke Numero 20. Sicherheitshalber spiele ich ab jetzt selbst Postbote: Ich bitte die Agentur, mir die Formulare erneut auszustellen, bringe sie zum DJV, hole sie wieder ab und werfe sie persönlich bei der für mich zuständigen Arbeitsagentur ein.


Letzteres ist ein großer Fehler. Denn die Formulare hätten an eine andere Postanschrift geschickt werden müssen – an eines der Scan-Zentren der Agentur für Arbeit... Bis der Antrag und alle Formulare meiner Vermittlerin elektronisch vorliegen, dauert es also wieder ein paar Tage. Am letzten Werktag vor meiner Selbständigkeit steckt das hart erarbeitete Schreiben dann endlich in meinem Briefkasten. Der Antrag wurde bewilligt.


Es kann losgehen. Punktlandung.



Ich bin Jana Freiberger, Journalistin, und schreibe auf diesem Blog über mein Leben.



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Über mich

Ich bin Jana (30). Geboren in Baden-Württemberg, im Herzen Saarländerin, wohnhaft in Hamburg. Ich liebe Design, Reisen, leckeres Essen und Schreiben. 

 

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